Strass & Glas

Glaskristalle / Straß

Das ursprüngliche Ziel der Modeschmuckindustrie war die Imitation des Schmucks aus den großen Juwelierhäusern. Mit der Produktion von Modeschmuck begann ein neues Zeitalter im Schmuckbereich, welches gerade in der Anfangszeit zu einem doppelten Vorteil für den Kunden führte. Echtschmuck unterlag Anfang des 20. Jahrhundert, vor allem in Frankreich, nämlich einer Besteuerung. Hochwertiger Modeschmuck, der echten Juwelen täuschend ähnlich sah, unterlag dieser Steuer jedoch nicht und natürlich waren die Modeschmuckstücke auch preislich deutlich erschwinglicher.

Um die optische Täuschung des Modeschmucks so perfekt wie möglich zu gestalten, brauchte es natürlich einen Ersatz vor allem für die Edelsteine. Hier etablierte sich schnell der Einsatz von klaren oder auch gefärbten, geschliffenen Glaskristallen, uns heute als Straß bekannt. Die Hochburgen für diese Art der Glaskunst befanden bzw. befinden sich teilweise noch heute, vor allem in Österreich und in Gablonz (heute Tschechische Republik).

Der Straß kann in den gleichen Schliffarten wie echte Edelsteine bearbeitet worden sein, doch es gibt auch unterschiedlichste Fantasieschliffe, die von Juwelieren nicht verwendet werden. Glaskristalle können nicht nur in den klassichen Edelsteinfarben gefärbt sein, sondern auch z.B. als Milchglas oder als Halbedelstein-Imitation (z.B. Türkis) verarbeitet sein. Gerade in den letzten beiden Fällen spielt ein aufwendiger Kantenschliff in der Regel keine Rolle mehr. Hier kommen vermehrt Cabochon (gewölbte, glatt polierte Oberflächen) zum Einsatz. Im Gegensatz zum Straß kann sich das Licht nicht in den Schliffen brechen, da eine Opaleszent mittels dichter Färbung nicht mehr gegeben ist. Milchglas und Imitationen von Halbedelsteinen bestechen vor allem durch ihre ungewöhnliche Farbe oder ihr Farbmuster.

Ebenfalls beliebt war die Bedampfung von Strass mit einer hauchdünnen schillernden Schicht, die Strass in die sogenannten Aurora Borealis Kristalle verwandelt. Die Beschichtung des Strass führt bei Lichteinfall dazu, dass die Kristalle in einem Farbspektrum des Regenbogens schillern.

Bei Strass im Vintage Modeschmuck wird zudem darin unterschieden, ob der Straß foliert oder unfoliert eingesetzt wurde. Foliert bedeutet in diesem Fall, dass an der in der Fassung sitzenden Seite des Glaskristalls eine dünne, silberne oder goldene Folienbedampfung erfolgte. Das Silber oder Gold der Folierung verleiht dem Straß bei Lichteinfall auf der Oberfläche einen klaren, strahlenden Glanz.

Neben all den verschiedenen Facetten von Strass findet seit dem Jugendstil auch eine andere Form von Glaselementen Anwendung im Modeschmuck – das Pressglas. Dabei kann es sich um ausgefallene Formen von Glasperlen (z.b. in Form von Blüten oder Blättern) handeln, aber auch um Glasplättchen oder Cabochons, die ein Muster auf der Oberseite aufweisen.

Nicht zu vergessen sind am Ende, die vielen unterschiedlichen Formen von Glasperlen, die in Colliers, Ohrringen oder Armbändern verarbeitet wurden. Ob in fruchtiger Form (z.B. Birne), als winzige Vögelchen oder klassisch runde Glasperle in allen erdenklichen Farben, auch hier sind der Fantasie und Nutzung im Modeschmuck kaum Grenzen gesetzt.