Modeschmuck und moderne Kunststoffe

Kunststoffe allgemein

Im Englischen werden die Schmuckelemente aus Kunststoff an/auf Vintage Modeschmuck oftmals als Thermoset bezeichnet. Von Zeit zu Zeit fallen auch Begriffe wie Resin (Kunstharz), Thermoset plastic oder Lucite. Allen englischen Begriffen ist gemein, daß sie trotz ihrer Eigenart ein Kunststoff zu sein, dennoch kein Gefühl von billigem Schmuck hervorrufen. Das liegt zum einen an den eleganten Begriffen, zum anderen jedoch auch an der excellenten Verarbeitung. Die Herstellung und Verwendung der zuvor genannten Kunststoffarten ist ganz spannend.

Je nachdem, ob Kunststoffe aus natürlichen oder synthetischen Vormaterialien stammen, beginnt der Herstellungsprozess entweder über die Gewinnung von Celluse/Casein oder die Synthetisierung von Erdöl. Im folgenden soll hier nur auf die auf Erdöl basierenden Kunststoffe eingegangen werden.

Kunststoffen wie Thermoset als auch Thermoset plastic ist gemein, daß zu ihrer  Herstellung, die aus Erdöl gewonnenen Vorprodukte, polymerisiert werden. Dahinter verbirgt sich ein chemischer Vorgang bei dem sich Einzelmoleküle (Monomere) zu Mehrfachmolekülen (Polymeren) verketten. Die chemischen Strukturen der Monomere gleiten während dieser Bearbeitung wie zu einer Art Netz ineinander. Man könnte auch sagen, kleinen Molekülen vereinen sich zu Makromoleküle.

Der so entstehende Kunststoff ist fest, gegen Wärme unempfindlich, läßt sich in der Form nicht ohne weiteres erneut verändern und bildet eine Art versiegelnden Schutz. Erhitzt man Thermosette erneut, verkohlen diese. Die Schutzschichtbildung des Thermoset ist vor allem für Industriezweige interessant, die mit einem Kunststoffüberzug das darunter liegende Material schützen bzw. versiegeln wollen.  Verwendung findet dieser Kunststoff z.B. in Spiegellinsen oder im Dentalbereich.

Thermoset Elemente auf/am Vintage Modeschmuck erhalten durch Pressverfahren ihr letztendliches Aussehen. Für die Schmuckindustrie bot sich mit Thermoset ein interessantes Material. Die Kunststoffart ist leicht und kann in allen möglichen Farbvarianten oder Formen hergestellt werden. Daneben ist er relativ unempfindlich. Gerade an Schmuckstücken, die einem höheren Verschleiß (z.B. Armbänder) unterliegen, kommt dieser Materialvorteil zugute. Der Besatz zerkratzt weniger schnell.  Im deutschen Sprachraum wird Thermoset vorwiegend als Duroplastik bezeichnet.

Thermoset plastic verhält sich dagegen völlig anders. Je höher die Temperatur bei der Erhitzung der Ausgangsmaterialien, desto flüssiger wird die Masse. Während der Abkühlung/Aushärtung verbinden sich die Moleküle nicht zu einem Netz, sondern überlagern sich nur leicht.  Die dünnflüssige Eigenschaft im erhitzen Zustand macht man sich hier beim Verarbeiten zu Nutze. Der Werkstoff wird nicht wie die Duroplasten in Form gepresst, sondern mittels Spritzguß-Verfahren verarbeitet.

In unserem Sprachgebrauch als Thermoplast bezeichnet, findet sich dieses Material nahezu überall im täglichen Leben wieder. Vom Joghurt Becher bis zum Bildschirmmonitor. Im Gegensatz zu den Duroplasten, sind die Thermoplasten jedoch anfällig gegen Wärme und schmelzen durchaus. Von dieser Materialeigenschaften sind nur wenige, sehr harte Thermoplasten befreit.  Sollte aufgrund eines Mißgeschickes ein Schmuckstück mit Kunststoffbesatz bei Annäherung an eine Kerze oder ein Feuerzeug beginnen zu schmelzen, so ist hier die Verwendung von Thermoplasten gewiss. Dies stellt keine Anleitung zum Austesten der einzelnen Schmuckstücke dar. Schon im Interesse der historischen Modeschmuckstücke und deren Schönheit wird hier einer bewußten Nachahmung dringend abgeraten.

Resin

Resin ist ein Kunstharz und wird meist als Polyurethan bezeichnet. Die heute bekannteste Form kommt aus dem Bastlerbereich, die sogenannten Gießharze. Diese kann in gewisser Weise mit dem uns bekannten 2-Komponenten-Kleber verglichen werden. Dafür werden reaktionsfreudige Ausgangskomponenten (Polyesterharz & Härter) im richtigen Mischungsverhältnis zusammengebracht. Die flüssige Masse wird in die vorgesehene Form gegossen oder gar gespritzt. Anschließend härtet das Material durch chemische Reaktion aus. Ausgehend davon, welche Stoffe hier miteinander vermischt werden, können Resin/Polyurethan ein Duroplast, Thermoplast aber auch ein Elastomer darstellen. Für den Modeschmuckliebhaber ist eine chemische Beschreibung oder Analyse an dieser Stelle zwangsläufig eher uninteressant.
Vom äußeren Erscheinungsbild sind diese Harze grundsätzlich einmal glasklar. Weswegen sie auch schon mal als Glasharz bezeichnet werden.  Doch auch eine Einfärbung ist möglich und läßt damit ein breiteres Spektrum der Verwendungsmöglichkeiten zu.

Daneben fanden auch Epoxidharze Verwendung in der Modeschmuckindustrie. Das Herstellungsverfahren ist ähnlich dem des Resin. Expoxidharze gehören im übrigen zu den den Duroplasten (Thermoset).