Bakelite, Lucite & Co. als Schmuck

Zelluloid

Celluloid ist ein Kunststoff aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, der aus natürlichen Rohstoffen über chemische Bearbeitung gewonnen wird. Ausgangsbasis für Celluloid ist die sogenannten Cellulose. Cellulose ist ein reichlich in Pflanzen (z.B. Baumwoll & Holz) vorkommender Stoff.  Wie auch bei weiteren Pflanzenstoffen handelt es sich dabei um pflanzliche Zuckerarten (Saccharide), also Kohlenhydrate, die je nach chemischer Struktur  als Monomer oder Polymer vorliegen.

Die Cellulose wird aus aus dem Holz entweder durch Aufschluß mittels Zusatz von  Sulfate oder durch Kochen mit Sulfiten gewonnen. Daneben existieren neuere Verfahren, auf die hier jedoch nicht weiter eingegangen werden soll, da diese seit den 1930er gesucht und erst ab den 1980er Jahren gefunden wurden. Die Hochzeit der Verwendung von Zelluloid in Vintage Custome Jewelry war zu diesem Zeitpunkt längstens  vorbei.

Die über diese Verfahren gewonnen Cellulose wird dann zu Cellulosenitrat verestert. Die Beigabe von Campher zu Celluslosenitrat führt letztlich zum Zelluloid. Was in der Herstellung reichlich chemisch klingt, war bis ca. 1860 nicht nur, im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. Lange wurde experimentiert, wie Explosionen durch Selbstentzündung des Nitrates vermieden werden können. Doch auch das fertige Endprodukt Zelluloid ist leicht brennbar. Große Wärmeentwicklung an Schmuckstücken aus oder mit Zelluloid sind unbedingt zu vermeiden!

Die Herstellung macht die Identifikation von Zelluloid allerdings recht einfach. Wer wissen will, ob das begehrte Schmuckstück aus Zelluloid ist, der reibe mit einem Tuch leicht über das Material. Die durch Reibung entstehende, geringfügige (!) Wärmeentwicklung führt dazu, daß der Geruch des beigefügten Camphers zu Tage tritt.

Zelluloid ist einer der ersten Kunststoffe aus natürlichen Ausgangsstoffen, die in die Kunststoffkategorie Thermoplasten fallen.

(s. Kunststoffe allgemein)

Bakelite®[1] / Phenolharz

Bakelit® oder auch Bakelite® wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Belgier Leo Hendrik Baekland erfunden. Anders als Zelluloid zählt Bakelite® zu der Kunststoffkategorie Duroplasten. (s. Kunststoffe allgemein)

Die Ausgangsbasis für diesen Kunststoff war seinerzeit Kohle. Durch Zusatz von Natronlauge und Salzsäure zum per Destillationsverfahren gewonnenen Destillat erhielt man Phenol. Phenol sind rötlich, braune Kristalle, die eine stark ätzende Wirkung haben und darüber hinaus desinfizierend wirken.  Neben der Weiterverarbeitung für andere Zwecke wurde Phenol deshalb auch als Desinfektionsmittel eingesetzt.

Doch zurück zum Bakelite®, welches auch als Phenolharz bezeichnet werden kann.  Phenolharze werden durch ein Verfahren der Polykondensation gewonnen. Im wesenntlichen werden dabei die Stoffe Phenol, Aldehyde (hier Formaldehyd) und eine Säure zusammengebracht.  Über einen komplizierten chemischen Prozess zwischen den Ausgangsstoffen, entsteht hier auch hier aus Monomeren ein Polymer. Das Phenolharz oder auch Phenolplaste. Dieser Kunstoff hat eine typische, unverkennbare dunkelbraune Farbe.  Im Schmuckbereich  kann Bakelite® am leichtesten bei Haarkämmen gefunden werden.

Aminoplast

Aminoplast hat einiges mit Phenolharz/Phenolplaste gemein. Das Herstellungsverfahren ist ähnlich. Ausgangsstoff ist hier allerdings nicht Phenol sondern Harnstoff. Die Vereinigung mit Aldehyden bei einer Polykondensation ist identisch. Anders als Phenolplaste ist ein Aminoplast jedoch nicht von der dunklen, bräunlichen Farbe. Aminoplasten sind klar und können eingefärbt werden. Dieser Kunststoff  wurde ab Mitte der 1920er Jahre verstärkt produziert.

Lucite®[2]/  Plexiglas[3]

Bei den in der Überschrift erwähnten Kunststoffen handelt es sich um eine harzartige, durchsichtige Plastikmasse, umgangssprachlich als Acrylglas bezeichnet. Chemisch formuliert handelt es sich dabei um sogenanntes Methyl Methacrylat oder auch Methacrylsäuremethylester. Die Herstellung des Acrylglases ist, ohne in die Chemie einzusteigen, kaum möglich, weswegen auf die Darstellung dieses Prozesses hier verzichtet werden soll.  Acrylglas wurde in den 30er Jahren von 3 Firmen zeitgleich entwickelt. ICI, DuPont und Rohm & Haas. Das Glas fand vielfache Verwendung und wurde unter anderem als Scheibe in Autos sowie Flugzeugen eingesetzt. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges entdecke die Modeschmuckindustrie das Acryglas für ihre Zwecke. Hier ist insbesondere an die bei Sammlern beliebten Schmuckstücke mit den als Jelly Belly®[4] besetzten Acrylglaselementen zu denken.

 

 

[1] Bakelite ist eine seit 1909 eingetragene Marke. Im Jahr 2014 lautet der Markeneintrag auf den Markeninhaber: Momentive Specialty Chemicals GmbH, 58642 Iserlohn

[2] Lucite ist eine eingetrage Marke der Firma DuPont. Bei diesem Markeneintrag handelt es sich nicht, um das hier angesprochene im Modeschmuckbereich eingesetzten Harzkunststoff, sondern um einen synthetischen Überzugs- und Deckanstrich. –
Lucite war neben diesem Markeneintrag eine eingetragene Marke der Lucite International, Inc., Cordova Tenn., US. DuPont verkaufte die Sparte der vielfältig verwendeten Harzkunststoffe und das seit 1963 bestehenden Markenrecht an die ICI Acrylics Inc. im Jahr 1993. Die Marke wurde auf ICI umgeschrieben. ICI verkaufte im Jahr 2003 an die Lucite International, Inc.. Die Marke wurde auf Lucite International umgeschrieben. Am 06.01.2014 wurde die Marke gelöscht.

[3] Plexiglas ist eine auf verschiedene Unternehmen eingetragene Marke. Nähere Informationen sind beim Deutschen Patent- und Markenamt einsehbar.

[4] Jelly Belly ist eine eingetragene Marke der Jelly Belly Candy Company, 94533, Fairfield, US. Mit der geschützten Süßigkeit hat der in der Vintage Costume Jewelry etablierte Begriff jedoch nur bedingt zu tun. Die Begrifflichkeit wurde in Anlehnung an das Gelee artige Aussehen, das sogenannte Jelly aufgegriffen. Auch das Wort Belly ist ein direkter Hinweis auf die Darstellung innerhalb des Schmuckstückes. Vorrangig wurden Tiermotive als Schmuckstück entworfen. Den Bauch des Tieres zierte dann ein Cabochon aus Acrylglas, der sogenannte Belly. Diese Schmuckstücke gibt es seit den 1940er Jahren, während sich die geschützte Süßigkeit erst später etablierte. Um Verwechselungen oder Rechtsstreit auszuschließen, erfolgte hiermit der Hinweis auf ein bestehendes Markenrecht.