Pflege für antiken & Vintage Modeschmuck

Pflegetipps für den empfindlichen Vintage Modeschmuck

Das wir uns uns heute an und mit altem Modeschmuck beglücken, schmücken sowie erfeuen können, liegt nicht nur an der hochwertigen Machart des Vintage Schmuck. Modeschmuck des 20. Jahrhunderts verdankt sein heutiges Aussehen und Bestehen, vor allem der Pflege seiner Vorbesitzer.

Kleines Basiswissen über die Produktion von altem Modeschmuck

Modeschmuck des 20. Jahrhunderts ist – mit Ausnahme der 1940er Jahre – in der Hauptsache aus unedlen Metallen produziert. Verwendung fanden hier vor allem Messing oder sogenannte Basismetalle. Letztere bestehen aus Metallen, mit einer niedrigen Schmelztemperatur, wie z.B. Kupfer, Nickel, Zinn und Zink. Diese im Schmelztiegel erstellten Metallmischung lassen sich einfach in die jeweilige Schmuckform gießen.

Um letztlicht die goldene, silberne oder rhodiniert glänzende Endform zu erreichen, wurden diese gegossenen Grundbestandteile mit mehreren Legierungsschichten überzogen.

Legierungen in Gold oder Silber werden mittels Galvanisierung hauchdünn aufgebracht. Damit die Legierung gut hält, wurde als Zwischenlegierung in der Regel eine Schicht Nickel angelegt. Nickel hat, neben seinem allergenen Risiko, die wunderbare Eigenschaft, andere Metalle besser anhaften zu lassen.

Glaskristalle wurden entgegen der heutigen Produktion, in altem Modeschmuck einerseits in Krappenformen gefaßt, jedoch auch teilweise zusätzlich mit speziellem Schmuckkleber befestigt.

Kunststoffelemente sind in der Regel mit speziellem Schmuckkleber in die jeweilige Fassung des Vintage Modeschmuckstückes eingeklebt oder per Draht am Modeschmuckstück befestigt.

Zierperlen, eine Modeschmuck-Imitation echter Perlen, bestehen aus einem Kunststoffkern, der in speziellem Perlen- oder Metallic-Lack getaucht wurde. Die Überzugsschicht ist als hauchdünn zu beschreiben und entsprechend anfällig für äußere Bedingungen. Zierperlen sind in der Regel mit speziellem Schmuckkleber in die Form geklebt oder per Draht/Perschnur aufgezogen.

Glasperlen wurden je nach Epoche auf Schmuckdraht oder Perlenschnur aufgezogen.

Kunststoffperlen ähneln von der Machart den Zierperlen. Lediglich der Überzug fällt farbenprächtiger und teilweise ausgefallener aus. Kunststoffperlen sind in der Regel auf Perlenschnur aufgezogen.

Emaillierung von altem Modeschmuck erfolgte in unterschiedlicher Machart. Der echten Emaillierung und dem Überzug mit der heute als Kaltemaille bezeichneten Kunstharzform. Echte Emaillierung ist hauchdünn und mit zunehmenden Alter anfälliger für Abplatzungen. Kaltemaille dagegen, ist von relativer Dicke und eher unempfindlich.

 

Wie pflege ich den neuen, alten Modeschmuck?

Alter Modeschmuck, egal ob signiert, unsigniert, amerikanisch oder europäisch ist ein Juwel der ganz besonderen Sorte. Der Schmuck zählt quasi zu den Mimosen der Accessoires. Für Echtschmuck haben viele Damen heute ein Ultraschall-Reinigungsgerät zu Hause oder geben diesen in regelmäßigen Abständen zum Reinigen zu ihrem Juwelier des Vertrauens. Vintage Modeschmuck verträgt sich weder mit einem Reinigungsbad, noch ist Modeschmuck ein gern gesehen Gast beim Juwelier.

Wie sich aus dem obigen Basiswissen bereits teilweise ergibt, birgt Modeschmuck eine Menge an kleinen Ritzen, Sicken oder Löchern, in denen sich Reinigungsflüssigkeit oder Wasser  verstecken kann, ohne daß Sie eine Chance haben, die Feuchtigkeit schnell zu trocknen. Wer jetzt daran denkt, das Schmuckstück schnell trocken zu föhnen, sei gewarnt.Der Wechsel von kalt zu heiß, bekommt dem empfindlichen Schmuck nicht besonders gut.

Gesäubert werden sollte alter Modeschmuck nur mit einem feinen, weichen Tuch. Gut geeignet sind hier Tücher aus Microfaser.  Die Reinigung erfolgt am besten nach jedem Tragen. Das uns Menschen eigene Hautfett wird so schnell und sicher von den empfindlichen Legierungen und Lacküberzügen entfernt.

Achten Sie darauf, daß Ihr Schmuckstück nicht mit Creme, Parfum oder Haarlack/Haargel in Berührung kommt. Ähnlich wie Hautfett, schaden diesen Produkte den empfindlichen Oberflächen des Modeschmucks. Wenn das weiche Tuch nicht mehr ausreichend sein sollte, können Sie auch zu einer kleinen, weichen Babyzahnbürste greifen. Babyzahnbürsten sind, gegenüber Zahnbürsten für Kinder oder Erwachsenen, von perfekter Größe für die Reinigung alten Modeschmucks.

Desweiteren sind die Borsten sehr weich, so daß hier keine Gefahr besteht, daß Sie beim vorsichtigen Ausbürsten der Ritzen und Rillen, ggf. Riefen hinterlassen. Wenn Ihr Schmuckstück mit echter Emaille oder Zierperlen versehen ist, ist der Einsatz der kleinen Zahnbürste zur Reinigung eher nicht zu empfehlen. Die Wahrscheinlichkeit, daß es selbst bei den weichen Borsten zu Abplatzungen kommt, ist einfach zu groß.

Sollte auch die kleine Zahnbürste nicht mehr helfen, können Sie es im Ernstfall mit einem mit Wasser befeuchteten Wattestäbchen probieren. Achten Sie darauf, daß das Schmuckstück umgehend getrocknet wird. Entweder durch den trockenen Gegenpol des Wattestäbchens oder indem Sie das Schmuckstück umgedreht auf einem Handtuch trocknen.

Für Modeschmuck aus den 40er Jahren, welcher aus Sterling Silber gefertigt wurde, ist es ausreichend, sich ein Silberpflegetuch zuzulegen. Die Verwendung von Silberpolitur kann hier nicht empfohlen werden.Alter Modeschmuck dieser Zeit ist vom Design sehr verwinkelt und verschnörkelt. Bei Einsatz der Politur kriecht diese gern in alle möglichen Ecken wie Rillen, nur um dort als häßliche, weiße Schliere aufzutrocknen.

Glaskristalle haben sich aus dem alten Modeschmuck gelöst. Was nun?
Der Kleber, mit welchem Glaskristalle oder Kunststoffelemente in das Modeschmuckstück eingeklebt wurden, hat mitunter keine Jahrhunderte überdauernde Klebekraft. Wenn Sie das Glück haben, den Glaskristall nach dem Lösen aufzufinden, bewahren Sie diesen gesondert, bis zum Wiedereinsetzen auf. Gut geeignet ist hier ein Stück Tesafilm auf einem farbigen Stück Papier. Ist der Kristall nicht auffindbar, hilft nur noch der Gang zu einem gut ausgestatteten Vintage Modeschmuck Händler. Hier ist Wahrscheinlichkeit groß, daß sich im Glaskristallfundus ein Ersatzkristall findet. Sie können Ihr Glück auch in Perlenshops probieren. Allerdings handelt es sich bei deren Angebot meist um neue Glaskristalle. Neue Glaskristalle haben oftmals einen völlig anderen Schliff. Ferner sieht man neuen Glaskristallen ihr junges Alter an. Ihr Glanz ist dermaßen überstrahlend, daß Sie sich im Zweifel ein ganzes Schmuckstück ruinieren. Testen Sie daher vorher durch reines in die Fassung legen , ob sich ein neuer Glaskristall in das Gesamtbild gut einfügt oder eher stört.

Hat sich ein Kunststoffelement gelöst, ist es in der Regel einfacher diese zu finden und aufzubewahren, da die Größe in der Regel mehr als 0,3 cm beträgt.

Ist alles für das neue Einfassen bereit, stellt sich nur noch die Frage nach dem richtigen Kleber. An dieser Stelle sei vor der Verwendung von Sekundenkleber gewarnt. Sekundenkleber ist zwar verführerisch, weil das Schmuckstück in wenigen Sekunden wieder einsatzbereit erscheint, doch der Kleber ist alles andere als ideal – insbesondere für Glaskristalle. Durch Sekundenkleber erblinden unfolierte Glaskristalle innerhalb einer Sekunde. Sekundenkleber gilbt und neigt zu häßlichen Flecken an der Fassung, die kaum korrigerbar sind.  Etwas besser gestaltet sich die Verwendung von 2 Komponenten Kleber. Die Wartezeit, bis der Kristall oder das Kunststoffelement fest an Ort und Stelle sitzt, ist zwar wesentlich länger. Doch Sie sind relativ lange in der Lage, Kristall oder Kunststoffelement in der Fassung zu korrigieren. Auch überschüssiger Kleber kann besser entfernt werden.

Die beste Wahl ist jedoch Schmuckkleber. Schmuckkleber trocknet klar auf. Überschüsse von Schmuckkleber lassensich gut entfernen und seine Trocknungszeit ist nicht ganz so lang, wie bei 2 Komponenten Kleber.

Egal für welchen der beiden Kleber Sie sich entscheiden, nehmen Sie so wenig Kleber wie nur irgend möglich.

Die Vergoldung oder Versilberung des Modeschmucks ist stark abgeplatzt. Was nun?
Wer alten Modeschmuck liebt, trägt wie eine Gondel Trauer, wenn Vergoldung oder Versilberung stärker strapaziertwurde, als vermeidbar gewesen wäre. Die alten Schmuckstücke sind zum Wegschmeißen allein vom Design viel zu schade. Außerdem hängt in der Regel das Herz und eine Erinnerung an den Stücken. Insofern kommt hier eine Nachvergoldung oder Nachversilberung in Frage, um das Modeschmuckstück wieder in einenschönen, präsentablen Zustand zu versetzen. Juweliere nutzen zur Vergoldung und Versilberung in der Regel Galvanisierungsbäder. Für Vintage Modeschmuck ist dies nicht ganz ideal. Für ein solches Bad, müßten zuvor alle Glaskristalle, Kunststoffelemente oder Emaillierungen entfernt werden. Doch im Zeitalter der Technik, ist auch die Galvanisierung fortgeschritten. Fragen Sie ihren Juwelier, ob er in der Lage ist Stiftgalvanisierung durchzuführen. Bei der Stiftgalvanisierung kann eine puntkuelle Nachvergoldung oder Nachversilberung durchgeführte werden.

Größere Schäden am Vintage Schmuckstück. Wer kann helfen?
Größere Schäden, wie z.B. daß sich die Lötverbindung einer Broschenapparatur oder eine Anhängeröse gelöst hat, lassen sich mit normalen Hausmitteln kaum reparieren. Kleben ist im Regelfall keine kompetente Lösung. Die Klebeverbindung ist für solche Schäden nicht kraftvoll genug, um als dauerhafte Lösung herzuhalten. Als Übergangslösung ist Kleben ebenfalls nicht geeignet, da insbesondere 2 Komponenten Kleber schlecht gänzlichentfernbar ist und so ein späteres Löten erschwert. Bei solchen Schäden hilft nur der Gang zu einem guten Juweliermeister, der Willens und in der Lage ist, alten Modeschmuck aus unedlen Metallen zu löten und ggf. im Nachgang neu zu vergolden/versilbern.